Spanien
Spontan nach Spanien: Die wilde W50-Wende!
Ursprüngliches Ziel: Ostsee (Deutschland)
Tatsächliche Route: Deutschland - Luxemburg - Frankreich - Spanien - Frankreich - Luxemburg - Deutschland
Fahrzeug: IFA W50 LA/A/C, Spitzname: "Der Dicke" (ehemaliger NVA-Werkstattkoffer)
Datum des Starts: Sonntag, 21.07.2002, 11:30 Uhr
Zurückgelegte Gesamtstrecke: 5.000 km
Vom Ostseetraum zum Expeditionsmobil (Die Vorbereitung)

Der IFA LKW W50 im Urzustand
Alles begann mit einem Blick auf den Hof und die spontane Idee: "Mensch, mit dem Ding musst Du mal an die Ostsee!" Doch bevor der alte IFA W50 LA/A/C wieder auf die Straße durfte, stand ein Mammutprojekt an, das viel Arbeit und Geld verschlang.
- Technik-Marathon: Der gesamte Motor, Achsen, Batterien, Getriebe – eigentlich fast alles – wurde von mir gewartet und gegen Neuteile ausgetauscht, um den "Oldi" fit für den TÜV zu machen.
- Koffer-Entkernung: Dann folgte der zeitaufwendige Innenausbau des ehemaligen NVA-Werkstattkoffers. Zuerst musste der ganze alte "Armee-Schrott" weichen, inklusive der ABC-Schutzanlage.
- Innenausbau in Etappen: Die "Entkernung" war nur der Anfang. Es folgten Dämmung, Elektrik, Sanitär und vieles mehr. Um es vorwegzunehmen: Ich bin bis heute noch nicht fertig, und die Kosten übersteigen leicht die für eine komplette Wohnung, da alle Teile sehr teuer sind.
- Endlich zugelassen: Nach Erreichen der Ausbaustufe 1 ging es zum TÜV und zur Zulassungsstelle. Die Beseitigung der Mängel kostete Nerven, aber am Ende stand die Zulassung!
Der LKW wurde "reisefertig" gemacht, die Vorräte an Wasser und Diesel aufgefüllt, dazu die notwendige Verpflegung eingelagert.
Start in den Süden (Der Blitz-Entschluss)
Am Vorabend des geplanten Starts zur Ostsee bekam ich spontan noch zwei Mitreisende: Jeromè (11) und Sven (15), die auf Abenteuer aus waren. Also noch schnell deren Habseligkeiten verstaut und dann etwas Schlaf bis Sonntagmorgen um 09:00 Uhr. Um 11:30 Uhr am 21.07.2002 ging es endlich los.
Die Fahrt auf die A7 Richtung Norden begann unter keinem guten Stern:
- Schlechtes Wetter: Es regnete leicht, und die Wettervorhersage meldete tagelanges Schmuddelwetter an der Ostsee.
- Planänderung: *"Ach Du Scheiße..."* dachte ich. Kurzentschlossen fragte ich die Jungs: lieber Regen im Norden oder Sonne im Süden? Die Entscheidung fiel einstimmig: Richtung Süden!
Wir wendeten den LKW und nahmen Kurs auf Frankreich. Die Reise sollte nach Marseille gehen.
Marseille, Pfirsiche und Chaos (Die erste Herausforderung)
Die Reise in den Süden sollte ungeahnte Probleme mit sich bringen, doch die Ängste um den alten W50, der fast 12 Jahre auf einer Schlammwiese stand, waren unbegründet.
- Nonstop nach Lyon: Nach 14 Stunden Nonstopfahrt und 1000 km (Essen während der Fahrt, keine Pinkelpausen!) standen wir in Lyon. Zeitweise im Konvoi mit einem Expeditions-Unimog. Nach kurzer Nachtruhe im Koffer ging es weiter.
- Irrfahrt in Marseille: Nach weiteren Stunden erreichten wir Marseille. Die Suche nach der Kaserne der Fremdenlegion artete in eine dreistündige Irrfahrt aus. Bei knapp 4,00 m Höhe blieben wir ständig unter Brücken und Unterführungen hängen. *Fazit:* Wir waren für südliche Gefilde nicht ausgerüstet (kaum geeignete Kleidung, kein Kartenmaterial!).
- "Ein-Strich-kein-Strich" und NVA-Kult: Die Reaktionen der Leute waren urkomisch: Pfiffe, Klatschen, Daumen hoch für den fast originalen NVA-W50 mit DDR-Emblemen mitten im Zentrum von Marseille!
- Polizei-Begegnung: Mitten im dicksten Verkehr auf der Strandpromenade hielt ein Polizeiwagen neben uns. Die Polizisten schauten nur mit großen Augen, ließen uns abchecken und fuhren kopfschüttelnd weiter.
- Explodierende Bombe: Eine besorgte Mutter erfuhr, dass wir in Frankreich waren. Die Bombe platzte! Wir wurden zur sofortigen Heimkehr aufgefordert.
Wegen des Chaos und der extrem hohen Preise in Marseille entschlossen wir uns, weiter nach Spanien zu fahren.
Allrad-Action in Spanien (Über Stock und Stein)
Auf dem Weg nach Spanien gab es eine unerwartete "Obst-Pause": Wir fielen in diverse Pfirsich- und Kiwi-Plantagen ein und füllten unsere Bäuche mit exotischen Früchten.
- Flucht vor dem Stau: Bei 40°C in einem Riesen-Stau, der sich nicht bewegte, beschloss ich, den W50 zu nutzen. LKW quer auf die Fahrbahn, Allrad zugeschaltet und mit einer riesigen Staub- und Abgaswolke ab in die Pampa!
- Querfeldein-Fahrt: Mit Kompass ging es über unbefestigte Felder und Schotterpisten, dass ich dachte, der LKW fällt gleich auseinander.
- Brücken-Check: Vor einer morschen Flussbrücke mussten die Jungs voraus und die Brücke checken – ich wollte kein Risiko eingehen. Sie hielt!
- Barcelona und „IFA“: Spät in der Nacht erreichten wir Spanien. In Barcelona gab es wieder viel Begeisterung. Obwohl unser "Dicker" kein IFA-Logo trug, riefen uns einige Einheimische in gebrochenem Deutsch "IFA!" zu.
Panne am Strand (Sonne und Polizei)
- Der Kabelbruch: Auf dem Weg nach Valencia streikte der W50 plötzlich. Ein Kabelbruch an der Stromverteilung zur Lichtmaschine! Dank meiner Ersatzteilkiste und meiner Überholung konnte ich den Defekt beheben – auch wenn ich mich dabei heftig am heißen Auspuffkrümmer verbrannt habe.
- "Wir brauchen nur 3 Wochen..." Ein Junge war verängstigt, aber ich beruhigte ihn, indem ich erklärte, dass wir ja zur Not die Fahrräder dabei hätten und in etwa drei Wochen in Deutschland wären... ????
- Paradies am Mittelmeer: Wir fuhren mit dem LKW direkt an einen wunderschönen Strandabschnitt, sprangen ins warme Mittelmeer (29°C) und genossen unter Palmen deutschen Spezialitäten vom Grill.
- Ibiza-Plan und neue Drohungen: Mein Plan, meine Frau und Tochter auf Ibiza zu besuchen, führte zu massiven Rückkehrforderungen der besorgten Mutter: *"andernfalls werden andere Maßnahmen ergriffen"*.
- Polizeibesuch: Eine Streife forderte uns höflich auf, auf einen Truckerparkplatz umzuziehen (die anderen deutschen Jugendlichen wurden am nächsten Morgen verhaftet!).
Die Heimkehr (18 Stunden am Stück)
- Abbruch: Der Plan nach Ibiza scheiterte an der Kommunikation und den Drohungen. Enttäuscht packten wir zusammen.
- Der Heim-Ritt: Ich fuhr 18 Stunden am Stück und schaffte knapp 1400 km – eine unverantwortliche Leistung, die nur jemand einschätzen kann, der schon mal einen W50 gefahren ist.
- Die Bilanz: Die 20 Jahre alten Reifen hielten Hitze und Volllast stand. Nur die Mautgebühren von ca. 200,- EURO waren ein Ärgernis.
- Rückkehr: Nach insgesamt 5.000 km unter voller Beanspruchung von Material und Personen kamen wir wohlbehalten in Deutschland an.
Es war trotz des Stresses eine sehr schöne und erfolgreiche Tour. Ich bin begeistert, wie der "Dicke" durchgehalten hat. Der Beweis: Wenn man weiß, wie man diese Fahrzeuge handhabt, sind sie auch im hohen Alter zuverlässig.
Nächstes Ziel: Afrika – ich fahre mit dem "Dicken" in die Wüste!
Weiterführende Informationen:
Kinderbuch zur Reise: Willi macht Urlaub in Spanien
Animationsfilm / Trailer zum Buch (Kanal: IFA-Tours)
Song zur Reise: Viva la Español (Kanal: IFA-Tours)

