Nordafrika - IFA LKW W50 Expeditionen

Nordafrika

Saharatour 2003

"Allah hat aus der Wüste alles Überflüssige entfernt, damit die Menschen das wahre Wesen der Dinge zu erkennen vermögen."

Renato Pietsch und Klaus-Dieter Harnisch, bezwangen die Sahara mit ihrem robusten alten NVA-LKW W50 (Willi). Tausende Kilometer Sand, Geröll, Dürre und Stille lagen vor ihnen.


Die Mission: Die Gräberpiste in Algerien

Die Reise begann Anfang Februar mit dem Ziel, die bekannte **Gräberpiste** in Algerien zu bezwingen. Die ca. 600 Kilometer lange Strecke schlängelt sich vom Rande des Erg Issaouane bis Bordj Omar Driss.

Wie der Name verrät, ist die Piste von zahlreichen Gräbern gepflastert, die von den einstigen Schlachten zwischen Franzosen und Tuaregs zeugen.

Vorbereitung und Risiken

Das sechswöchige Sahara-Abenteuer wurde ein Jahr lang akribisch geplant. Algerien war kein typisches Reiseland: **Rebellen, Banden, Schmuggler, Militär und Terror** machten das Land zu einem gefährlichen Schauplatz.

Navigation im Niemandsland

  • Da es keine genauen Karten über Algerien gab, behalf man sich mit Material aus dem Internet von der NASA und dem russischen Militär.
  • Diese Karten wurden eingescannt, kalibriert und in ein genaues dreidimensionales Kartensystem für die GPS-Navigation des W50 ausgestattet.
  • Trotz aller Technik war auf das GPS kein Verlass. Ein Satellit lieferte einmal falsche Daten, wodurch an einem Tag nur 20 der geplanten 70 Kilometer zurückgelegt werden konnten. Dank Renato Pietsch’s Orientierungssinn konnte das Problem gemeistert werden.

Die Anreise: Von Worbis über Europa nach Tunis

Die Tour führte von Deutschland aus über **Österreich, die Schweiz nach Italien**.

Erste Defekte auf der Strecke

  • Österreich: Bei frostigen **minus 15° C** fror ein Filter der Wasserversorgung ein.
  • Italien (Genua): Im Hafengelände von Genua gab es den ersten größeren Defekt: Die Handbremse versagte. Der Schaden wurde improvisiert behoben: Aus einem alten Verkehrsschild wurde eine Hülse geflext und mit Bohrungen versehen, um die Handbremse wieder funktionstüchtig zu machen.

Von Genua aus setzte das Team nach Tunis (Tunesien) über, bevor sie schließlich Algerien und die Sahara ansteuerten.

Ankunft in Afrika: Opferfest und Herzlichkeit

Schon bei der Einreise nach Algerien ging viel Zeit verloren, weil die Grenzstation wegen des dreitägigen Opferfestes **Aid el-Kebir** unbesetzt war. Nach einem Tag Wartezeit kam der Araber Ammar zu Hilfe, holte die Beamten und öffnete den Schlagbaum.

Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in diesen Ländern war beeindruckend; selbst die wenigen Habseligkeiten wurden mit Fremden geteilt. Bei jeder Gelegenheit verteilten die Reisenden mitgebrachte Prospekte der Stadt Worbis und kleine Geschenke. Besonders beliebt waren die Getränke der **Brauerei Neunspringe**, die bei den Einheimischen Begeisterungsstürme auslösten.

Der W50 im Härtetest: Maschine gegen Wüste

Weicher Wüstensand, Sandstürme, Geröll, nachts Temperaturen unter Null Grad Celsius und tagsüber brennende Hitze mit bis zu **50 Grad** – diese Saharadurchquerung war eine Tortur für Mensch und Maschine.

Täglich blieb der fast **zehn Tonnen** schwere IFA stecken und musste mühsam freigeschaufelt werden. Dennoch schlug sich der W50 wacker. Den beiden war es ein Anliegen zu beweisen, dass man dem ehemaligen **DDR-LKW (NVA-Werkstattwagen)** mehr zumuten kann als so manchem heutigen Geländewagen oder Lkw.

Die Zuverlässigkeit des W50

  • Überwundene Hindernisse: Wasserdurchfahrten mit bis zu 1,50 Meter Tiefe, Dünenüberquerungen mit bis zu 100 Metern Höhenunterschied, enge Gebirgspässe bis zu 2.000 Meter über NN. All das überstand der W50 problemlos.
  • Improvisation: „Bei modernen Fahrzeugen kann man meist ohne Experten nichts ausrichten, beim IFA lässt sich improvisieren.“
  • Technischer Vorteil: Die **Reifenregeldruckanlage** des LKW sorgte für besten Grip im weichen Sand.
  • Stabilität: „Wir standen zwar oft durch den hohen Schwerpunkt des LKW in gewaltiger Schräglage, aber umgekippt ist unser Gefährt nie.“

Ersatzteile und Pannen-Service

Rund 500 Kilogramm Ersatzteile (Kardanwellen, Einspritzpumpen, Zylinderköpfe usw.) waren an Bord. Letztlich mussten aber nur folgende, meist kleinere, Defekte behoben werden:

  • Die Handbremse (bereits in Genua repariert)
  • Der Blinkgeber
  • Der gebrochene Fahrersitz
  • Die kaputte Halterung des eigens eingebauten Wassertanks

Das robuste Fahrzeug war bei anderen Reisenden als eine Art Service-Wagen sehr gefragt, vor allem bei Schweizer Motorradfahrern, die sich bei Pannen an die beiden IFA-Fahrer wandten.

Gefahr und Abenteuer

Wie abenteuerlich die lange Reise letztlich werden würde, konnte man vorab nicht einkalkulieren:

  • Nachtleben: Es wird um 18 Uhr schlagartig dunkel. Man musste sofort Unterschlupf suchen, da das Militär nachts auf alles schießt, was sich bewegt (Schmuggler und Banditen).
  • Vermisste: Nicht selten verschwinden Touristen einfach. Derzeit wurden noch 31 Europäer gesucht, die die Gräberpiste erkunden wollten.
  • Festgefahren: Oft glaubte man, die Reise würde ein jähes Ende finden. Besonders beim Befahren eines Uferabschnittes sank der LKW im weichen Schlamm **1 Meter tief** ein. Nach 6 Stunden mühsamen Schaufelns und Stabilisierens hatte der W50 wieder festen Boden unter den Rädern.

Kulturelle Begegnungen und Reflexion

Die Wüsten-Tour war auch ein Abenteuer auf geschmacklicher Ebene. Bei den wenigen Nomaden, die noch durch die Wüste zogen, wurden die Eichsfelder an den improvisierten Tisch gebeten. Aufgetafelt wurde Fleisch von Kamelen, Ziegen oder Schafen. „Wie wir uns auf ein Stück Schweinefleisch gefreut haben, ist unbeschreiblich“, erzählten die beiden. Zusammen mit Tuaregs wurde Brot auf die traditionelle arabische Weise im Sand gebacken.

Als Souvenirs brachte Renato Pietsch 50 Kilogramm feinsten Saharasand für seine zweijährige Tochter Ann und eine Trommel aus Ziegenhaut für seine Frau Silke mit nach Hause.

Im Gepäck war auch eine gewisse Zufriedenheit und ein Denkanstoß:

„Die Menschen dort leben in größter Armut. Trotzdem sind sie fröhlich und glücklich mit dem, was sie haben. Hier in Deutschland zählen nur noch materielle Werte. Das bringt einen schon zum Nachdenken.“


Weiterführende Informationen:

Kinderbuch zur Reise: Willis großes Wüstenabenteuer

Animationsfilm / Trailer zum Buch (Kanal: IFA-Tours)

Song zur Reise: Der Wüstentraum (Kanal: IFA-Tours)


Dokumentation: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (6 Teile)

Teil 1/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 1/6](http://www.youtube.com/watch?v=1ar-y1Yfal8)

Teil 2/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 2/6](http://www.youtube.com/watch?v=iov_uYiuGc0)

Teil 3/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 3/6](http://www.youtube.com/watch?v=2Bf4JXkYBr4)

Teil 4/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 4/6](http://www.youtube.com/watch?v=wJSTeDzLnow)

Teil 5/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 5/6](http://www.youtube.com/watch?v=X09oVwRkuRA)

Teil 6/6: Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara (Kanal: IFA-Tours)

[Mit dem IFA LKW W50 durch die Sahara - Teil 6/6](http://www.youtube.com/watch?v=nBqwZ-g-QHY)

 

Beiträgen in den Medien - Fernsehsender:

  • RTL
  • Pro7
  • MDR

MDR Beiträge Saharareise (Kanal: IFA-Tours)

 

 

RTL Beitrag Saharareise (Kanal: IFA-Tours)

 

Beiträge in den Printmedien: 

 

 

Marokko 2026

IFA Lkw W50 Expedition 4x4 in der Sahara von Marokko mit Tuareg

Auf Afrikareise mit dem W50: Zwei Eichsfelder improvisieren mitten in der Sahara

40 Grad, defekte Technik und nächtliche Einbrecher: Zwei Eichsfelder kehren mit unvergesslichen Geschichten aus Marokko zurück.

Von Sebastian Grimm

Eichsfeld. Seit dem 11. April sind Renato Pietsch und Joachim Seeboth auf großer Fahrt. Mit der Fähre setzten die beiden von Spanien nach Afrika über – und tauchten ein in die faszinierende, aber auch fordernde Welt Marokkos. Nach rund 4000 Kilometern durch Europa erreichten die beiden Eichsfelder endlich ihr Ziel. Die Reise sollte für beide zu einem echten Abenteuer werden.

Großstadtverkehr und Müllentsorgung schockieren

Abenteuer hatte sich Renato Pietsch vor seiner Reise auch gewünscht. Denn seit Ende vergangenen Jahres hält er die Erlebnisse mit seinem alten NVA-Lastwagen der Marke W50 in Kinderbüchern fest. „Mir sind die Geschichten ein wenig ausgegangen. Es wird Zeit, dass Willi neue erlebt“, sagte Pietsch vor dem Aufbruch nach Afrika. Zuvor hatte der Worbiser bereits weit über 30 Länder bereist und so manches Abenteuer erlebt. Neben den Büchern lässt er die Abenteuer seines W50 auch in Animationsfilmen noch einmal Revue passieren.

Die Route führte die Eichsfelder durch beeindruckende Landschaften: Über Gebirgspässe in bis zu 2400 Meter Höhe führte die Fahrt mit den zwei W50, denn auch Joachim Seeboth ist mit seinem Lastwagen der Marke W50 unterwegs. Neun Tage benötigten sie bis nach Mhamid, wo die Temperaturen auf knapp 40 Grad kletterten.

„Es ist eine sehr verschleißstarke Strecke und eine Tortur für unsere Technik gewesen“, berichtete Renato Pietsch im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch die marokkanische Atlantikküste erkundeten die beiden Eichsfelder auf ihrer Tour.

Die extremen Bedingungen forderten ihren Tribut: Gleich zu Beginn in Marokko versagte der Einspritzpumpenantrieb des Lkw – und musste mit provisorischen Mitteln vor Ort notdürftig repariert werden. Weitere Probleme folgten: Verschmutzte Kraftstofffilter und ein defektes Luftsystem machten den Männern zu schaffen.

Den entscheidenden Ausweg fanden sie in einer Hinterhofwerkstatt in Zagora. Dort ließen sie fehlende Ersatzteile kurzerhand anfertigen – aus ein paar Metallstücken, nach eigenen Vorgaben. Die Verständigung mit den Mechanikern und Einheimischen gelang per Zeichensprache, Englisch und Französisch. „Das spreche ich aber selbst nicht gut“, so Pietsch.

Trotz aller Widrigkeiten war die Reise vor allem eines: ein menschliches Erlebnis. „Kinder haben von uns immer Süßigkeiten bekommen, manchmal auch Textilien“, erzählt Renato Pietsch. Auf Märkten tranken die Eichsfelder gemeinsam mit Einheimischen Tee, versorgten sich mit frischem Fleisch und Gemüse und verteilten Getränke aus der Neunspringer Brauerei in Worbis.

Es blieb nicht aus, dass die beiden Eichsfelder regelmäßig angehalten wurden. „Die Einheimischen versuchen immer, etwas zu verkaufen, oder bitten um Geld“, erzählt Renato Pietsch. Doch die Begegnungen mit der Bevölkerung empfanden beide durchweg als herzlich und bereichernd.

Einen ganz anderen Eindruck hinterließen die Großstädte wie Marrakesch oder Casablanca. „Der Straßenverkehr ist der Wahnsinn“, sagt Pietsch. Mopeds, Eselkarren, Fußgänger – alles drängte sich durch die engen Straßen.

„Die hängen sich einfach mit einem Moped oder Eselkarren an einen Lkw ein, Handy am Ohr, Kind im Arm – und das entgegen der Fahrtrichtung.“ Straßenregeln? Fehlanzeige. Auch im Umgang mit Müll sei vieles für westliche Augen befremdlich: Abfälle würden achtlos entsorgt, Müllberge einfach angezündet.

Ein besonders unangenehmes Erlebnis folgte in der Nacht von vergangenem Sonntag: Gegen 1.30 Uhr versuchten zwei Personen, die Dachbox vom W50 von Renato Pietsch aufzubrechen. Es waren offenbar Flüchtlinge, die versuchten, illegal mitzureisen. „Das habe ich verhindert“, sagt Pietsch ruhig.

Mittlerweile haben die beiden Eichsfelder Afrika hinter sich gelassen und befinden sich auf dem Heimweg. Eine Reise, die unter die Haut geht – mit Pannen, Abenteuern, unvergesslichen Begegnungen und jeder Menge Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.

Die nächsten Bücher von Renato Pietsch über die Abenteuer von Willi dem W50 und seinen Freunden werden bald erscheinen. Aber jetzt heißt es für die Eichsfelder Weltenbummler erst einmal, die letzten Kilometer bis in die Heimat gut zu überstehen.

Nach 4000 Kilometern erreichten Renato Pietsch und die anderen Mitglieder der Reisegruppe Zagora in Marokko. Mit den Einheimischen kamen die Eichsfelder immer wieder ins Gespräch.

Im IFA W50 Cockpit bis in die Sahara!